Montag, 12. November 2012

Vorbildliche Kooperation Kletterer/Naturschutz im Donautal


Im Jahr 2008 wurden durch das Landratsamt Sigmaringen die Vogelschutzzeiten an den Kletterfelsen im Donautal flexibel, d.h. an den tatsächlichen Brutverlauf angepasst, geregelt. Auf der Basis eines ornithologischen Gutachtens wurde dabei auch die dahin übliche ganztägige Sperrung während der Herbstbalz der Dohlen im Oktober in eine halbtägige Schutzzeit bis 12 Uhr umgewandelt.

In den vergangenen Jahren gab es jedoch immer wieder Übertretungen gegen diese Regelung, da einige Kletterer die 12-Uhr-Regelung nicht akzeptierten oder nicht bereit waren, sich sachgerecht zu informieren. Für Naturschützer und Kletterer ein Ärgernis, da doch die flexiblen und differenzierten Regelungen eine naturschutzfachlich abgesicherte und zudem kletterfreundliche Lösung darstellen.

Im März diesen Jahres hat der Arbeitskreis Klettern und Naturschutz (AKN) Donautal im Gespräch mit DAV-Sektionen, DAV-Landesverband, IG Klettern und dem Donautal-Ranger verschiedene Maßnahmen beschlossen, wie eine bessere Akzeptanz der Regelung an Dohlenfelsen erreicht werden kann. Hierzu gehörten unter anderem Aushänge in Kletterhallen, eine verstärkte Darstellung der Regelung im Internet, eine überarbeitete Beschilderung vor Ort und ein gemeinsamer Informationseinsatz (AKN, Ranger) am 3. Oktober am Parkplatz unterhalb des Schaufelsen.

Wie der Donautal-Ranger, Herr Ellinger, nun berichtet, war diese Kampagne erfolgreich. Es wurde im Oktober kein Verstoß gegen die Kletterregelung festgestellt. Der Ranger ist, wie im letzten Jahr, mit vielen Kletterern auf dem Schaufelsparkplatz ins Gespräch gekommen. Nach seinem Eindruck, kennen die allermeisten Kletterer die Regelung. Selbst Kontrollgänge am späten Nachmittag ergaben keine Verstöße. Im Bereich Schaufels wurde vor 12 Uhr auf den Blicklefels ausgewichen. Auch in der eigentlichen Brutzeit im Frühjahr/Frühsommer sind die Verstöße gegen die Brutzeitregelungen deutlich zurückgegangen, nachdem über die Kletterverordnung verstärkt informiert wurde. Allerdings wurde am Schaufels mit der zeitweisen Verplombung der Haken im „Normalweg“ auch ein sehr hoher Aufwand seitens der Kletterverbände betrieben.

Positiv anzumerken ist auch, dass der Dachstein aufgrund einer Uhubrut sehr schnell und unkompliziert in Abstimmung mit Behörden, Kletterverbänden und Vogelschützern teilweise gesperrt werden konnte. Seither ist auch hier kein Verstoß gegen die Sperrung bekannt geworden.

Der Schaufelsen gilt als Modellprojekt und Musterlösung für naturverträgliches Klettern in einem ökologisch hochwertigen Natura 2000-Gebiet (vgl. Natura 2000 und Sport, Handreichung zur erfolgreichen Kompromissfindung und Managementplanung in empfindlichen Lebensräumen, 2012). Die Dohle ist Vogel des Jahres 2012. Am Schaufelsen wurde in den Jahren 2009 bis 2012 ein Dohlen-Monitoring durchgeführt.

Der DAV, AKN Donautal und IG Klettern bedanken sich bei Behörden, Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, Donautal-Ranger und Kletterern für die gute Zusammenarbeit. Alle beteiligten wünschen sich, dass wir im nächsten Jahr daran anknüpfen können.